Hallo liebe Finanzfreundin,

seitdem die Zinsen auf Guthaben immer niedriger werden und teilweise sogar negative Zinsen drohen, hast Du bestimmt schon einmal folgende Aussage gehört: Dividenden sind die neuen Zinsen.

Was sich zuerst wie eine platte Werbezeile für die Börse anhört, lohnt sich aber einmal genauer zu beleuchten. Stimmt dieser Satz und macht er Sinn? Oder ist er reiner Blödsinn? Sehen wir uns das einmal näher an.

Was sind Dividenden?

Laut Wikipedia wird als „Dividende“ der Teil des Gewinns, den eine Aktiengesellschaft an ihre Aktionäre ausschüttet, bezeichnet. Die Ausschüttungen von Investmentfonds werden ebenfalls oft „Dividende“ genannt, jedoch ist diese Titulierung nicht ganz korrekt, da in den Ausschüttungen auch zinsartige Erträge enthalten sein können.

Ein grundlegender Unterschied zwischen Dividenden und Zinsen

Kritiker des oben genannten Spruchs führen oftmals folgenden Unterschied zwischen Dividenden und Zinsen an: Zinsen sind im vornherein festgelegt, Dividenden nicht. Sie können variieren oder, wie zuletzt jetzt auch in der Corona-Krise, gekürzt oder sogar gestrichen werden. Zudem kann nicht nur die Dividendenhöhe schwanken, sondern auch der ihr zugrundeliegende Aktienkurs. Somit ist die Dividendenrendite keine feste, im Voraus bestimmbare Größe.

Einnahmen aus Investments: Dividenden spielen eine wichtige Rolle

Dennoch bin ich eine ganz klare Verfechterin von Aktien- und Fondsdepots. Langfristig sitzt Du Kurskorrekturen wie aktuell aus. Selbst wenn von ca. 25% der europäischen Unternehmen die Dividende vollständig für 2019 und teilweise auch für das laufende Geschäftsjahr 2020 gestrichen wurde. Wenn die Firmen weniger Gewinne einfahren, können sie auch nur wenig ausschütten. Wobei die Dividendenausschüttungen in den Bereichen Gesundheit, Chemie und Telekommunikation historisch gesehen, konstanter sind als zum Beispiel im Bankensektor. Auf der Seite https://www.dividenden-kalender.com/ findest Du u.a. einen Überblick über die Auszahlungen der DAX-Unternehmen. Aus dieser kannst Du entnehmen, dass eine Dividendenrendite von durchschnittlich 2-4% auch dieses Jahr drin war. Die Kombination aus langfristigen Kurssteigerungen und zusätzlichen Dividendenzahlungen bringt eine solide Performance für Dein Depot. Das ist ein wichtiger Grundstock Deiner Vermögensbildung.

Cover

Ausschnitt Dividendenkalender

So berechnest Du die Dividendenrendite

Wie Du die Dividendenrendite, also Deine Quasi-Zinsen auf die Aktie, berechnest, zeige ich Dir an einem Beispiel:

Die Allianz-Versicherung hat dieses Jahr eine Dividende von 9,60 € pro Aktie gezahlt. Hast Du zum Beispiel 10 Allianz-Aktien, dann hast Du eine Dividendenzahlung von 96 € in Deinem Depot erhalten. Solange Du den Sparer-Pauschbetrag von jährlich 801 € nicht überschreitest, bleibt diese Zahlung steuerfrei. Bei Ehegatten sind dies 1.602 €. Ansonsten fällt die Kapitalertragssteuer und ggf. zuzüglich Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag an. Bei einem Kurs von 182 € der Aktie, macht das eine Dividendenrendite von 5,27% aus. (9,60 € geteilt durch 182 €).

Was ist Deine persönliche Dividendenrendite?

Wenn Du die Allianz-Aktie zum Beispiel bei einem Kurs von 150 € gekauft hast, dann liegt Deine persönliche Dividendenrendite viel höher, nämlich bei 6,4 % (9,60 € durch 150 €)!
Die persönliche Dividendenrendite liegt aufgrund des niedrigeren Kaufkurses also sogar oberhalb der Dividendenrendite, die sich aus dem tagesaktuellen Kaus ergibt.

Ab wann erhältst Du eine Dividende?

Um eine Dividende zu erhalten, muss sich bei deutschen Unternehmen die entsprechende Aktie spätestens am Tag der Hauptversammlung in Deinem Depot befinden. Dividendenzahlungen erfolgen immer für das abgelaufene Geschäftsjahr. Am ersten Handelstag nach der Hauptversammlung notiert die Aktie „ex dividende“, d.h. der Aktienkurs reduziert sich um den Wert der Dividende. Bei US-Firmen gibt es einen gesonderten Stichtag, der bekanntgegeben wird, bis zu welchem Du die Aktie im Depot haben musst. Dabei ist es jeweils unerheblich, wie lange Du die Aktie schon im Depot hast.

Als Aktionärin einer Firma erhältst Du eine Einladung zur sogenannten Hauptversammlung. Dort kannst Du von Deinem Stimmrecht Gebrauch machen. An der Hauptversammlung wird u.a. die Dividendenhöhe bekanntgegeben.

Wie oft gibt es eine Dividende?

Deutsche Unternehmen zahlen für gewöhnlich einmal pro Jahr eine Dividende. US-amerikanische Firmen haben jeweils pro Quartal Termin zur Berichterstattung der Gewinnzahlen und schütten daher auch alle drei Monate Dividenden aus. Unter dem Strich kommt es aber auch das Gleiche heraus. Egal, ob die Auszahlung jährlich oder anteilig vierteljährlich erfolgt.

Darum solltest Du nicht nur auf die Dividendenhöhe achten

Du solltest Dich allerdings nicht dazu verleiten lassen, Aktien allein nach der Dividendenzahlung und deren Höhe auszuwählen. Denn es ist wichtig, dass diese Zahlung wirklich aus dem Gewinn erfolgt und nicht aus dem Kapitalstock einer Firma. Denn denke daran, Dividenden sind Gewinnausschüttungen. Daher ist es wichtig, dass diese Zahlungen regelmäßig und nachhaltig sind. Am besten ist es noch, wenn diese Ausschüttungen über die Jahre steigen.

Warum geizen manche Firmen mit Dividenden?

Vor allem Technologiekonzerne schütten oftmals weniger Dividenden aus. Vielmehr reinvestieren sie ihre Gewinne. Apple ist da ein sehr bekanntes Beispiel dafür. Apple zahlt erst seit 2012 eine Dividende. Seither hat sie sich aber auch jedes Jahr erhöht. Der IT-Konzern hat seine Gewinne davor immer wieder reinvestiert und so ein solides Fundament aufgebaut. Nicht umsonst ist Apple eine der Firmen, die auf einem extrem hohen Cash-Polster sitzt und davon in Krisenzeiten wie jetzt profitiert.

Für dieses Jahr ist in Deutschland zwar schon die Dividendensaison vorbei. Wie Du dennoch das ganze Jahr über von dividendenstarken Aktien profitieren kannst und damit in den Dividenden-Adel hineintauchst, erzähle ich Dir in meinem nächsten Beitrag in 2 Wochen!

Bis dahin, genieße noch den Sommer!

Deine Finanzfreundin
Claudia